Wer gehört zu „uns“ – und wer bleibt auch nach Jahrzehnten einer von „den anderen“?
Diese Frage berührt den Alltag von Millionen Menschen – von Deutschen und Nichtdeutschen in Deutschland ebenso wie von Menschen deutscher Herkunft in anderen Teilen der Welt. Ihre Vorgeschichte reicht weit zurück.
In „Das persistente Wir und die anderen. Deutsche Identität von den Franken bis heute“ geht der Autor den historischen Wurzeln deutscher Zugehörigkeit nach. Er untersucht, wie aus Recht, Religion, Sprache und gemeinsamen Erinnerungen ein „Wir“ entstand – und wie sich damit Vorstellungen von besonderem Rang, kultureller Überlegenheit und politischen Machtansprüchen verbanden.
Die Reise führt von den fränkischen Herrschaftsräumen über das Heilige Römische Reich und die Entstehung des Nationalstaats bis zum Nationalsozialismus und in die Gegenwart. Sie führt zugleich über Europa hinaus: Am Beispiel Brasiliens zeigt das Buch, wie deutsche Zugehörigkeit durch Schulen, Vereine, Unternehmen, Kirchen und politische Bindungen im Ausland weitergetragen wurde, welche Spannungen daraus entstanden und wie diese deutsche Geschichte die Entwicklung Brasiliens beeinflusste – mit Folgen, die bis heute spürbar sind.
Im Mittelpunkt steht eine unbequeme These: Historisch gewachsene Vorstellungen von Vorrang können politische Umbrüche überdauern, indem sie ihre Ausdrucksformen verändern. Deshalb fragt der Autor auch, was nach 1945 tatsächlich überwunden wurde – und was unter veränderten Bedingungen fortwirkte, etwa in wirtschaftlichem Selbstbewusstsein, kulturellen Maßstäben oder Vorstellungen moralischer Führung.
Dabei zeichnet das Buch keinen zwangsläufigen Weg durch die Geschichte. Es macht Brüche, Gegenstimmen und verpasste Möglichkeiten sichtbar und fragt danach, wie sich deutsche Identität immer wieder neu formierte.
So führt die historische Spurensuche zu einer Frage von unmittelbarer Gegenwartsbedeutung: Wie lässt sich gemeinsame Zugehörigkeit gestalten, ohne andere herabzusetzen oder dauerhaft an den Rand zu drängen?
Der brasilianisch-deutsche Autor verbindet historische Untersuchung mit einer Perspektive, die vertraute deutsche Selbstverständlichkeiten hinterfragt. Sein Buch richtet sich an alle, die die Debatten über Identität, Migration und Deutschlands Rolle in der Welt besser verstehen wollen – und bereit sind, vertraute Geschichtsbilder neu zu betrachten.
„Das persistente Wir und die anderen“ ist jetzt vorbestellbar.
Entdecken Sie die Geschichte hinter einem Wort, das bis heute über Nähe, Anerkennung und Ausschluss entscheidet: „Wir“.
